SOVP Sovereign Validation Protocol
Das Sovereign Validation Protocol ist ein deterministisches, maschinenlesbares Prüfprotokoll für technische Infrastruktur-Nachweise. Es wurde als IETF Draft eingereicht und ist patentrechtlich geschützt.
SOVP bewertet 80+ Parameter in 6 Clustern und erzeugt einen kryptografisch signierten, DNS-verankerten Nachweis — den Sovereign Vault. Das Ergebnis ist CERTIFIED, FAILED oder — wenn der Scan die Domain nicht ausreichend erreichen konnte — INCOMPLETE (siehe CERTIFIED / FAILED / INCOMPLETE).
Relevant für: EU AI Act Art. 50 (Transparenzpflichten), DORA Art. 28 (Drittanbieter-Risiko), NIS2 (Cybersicherheitsanforderungen).
Technische Details zum SOVP →
CES Compliance Evidence Score
Der Compliance Evidence Score ist der numerische Gesamtwert eines SOVP-Scans auf einer Skala von 0 bis 100. Er ergibt sich aus der gewichteten Aggregation aller 6 Cluster-Scores.
Ein System gilt als CERTIFIED, wenn zwei Bedingungen gleichzeitig erfüllt sind:
- CES-Gesamtwert ≥ 75
- Cluster-F-Score ≥ 40 (Cybersecurity-Mindestanforderung)
Wird eine der beiden Bedingungen nicht erfüllt, lautet das Ergebnis FAILED — unabhängig vom Gesamtscore. Diese Gate-Logik setzt voraus, dass der Scan die Domain ausreichend erreichen konnte; war das nicht der Fall, lautet das Ergebnis unabhängig vom CES INCOMPLETE (siehe CERTIFIED / FAILED / INCOMPLETE).
Cluster F AI Governance Hard Gate
Cluster F ist einer der 6 SOVP-Prüfcluster und bewertet maschinenlesbare KI-Governance-Deklarationen der geprüften Infrastruktur. Er ist der einzige Cluster mit einer eigenständigen Mindestpunktzahl (≥ 40), die für CERTIFIED zwingend erforderlich ist.
Geprüfte Parameter umfassen: ai-disclosure.json, AI Policy URL, Deepfake-Disclaimer, AI-Training-Opt-Out, KI-Kontaktstelle und Well-Known-Endpunkte, die CERTavia als maschinenlesbaren Nachweis der KI-Governance zu Art. 50 heranzieht.
Hintergrund: EU AI Act Art. 13 und Art. 50 verlangen Transparenz- und Kennzeichnungspflichten für KI-Systeme — die maschinenlesbare Kennzeichnung KI-generierter Inhalte (Art. 50 Abs. 2) betrifft dabei nur Anbieter generativer KI-Systeme, nicht Betreiber fremder KI-Tools — ein bestimmtes technisches Nachweisformat schreiben sie nicht vor. Cluster F übersetzt diese Pflichten in deterministisch prüfbare Parameter und liefert dafür einen maschinenlesbaren Beleg.
CERTIFIED / FAILED / INCOMPLETE
Das Ergebnis eines SOVP- oder CERTavia-Scans kennt drei Werte, keine weiteren Zwischenstufen.
CERTIFIED bedeutet: Die geprüfte Infrastruktur erfüllt alle Mindestanforderungen des Protokolls. Der Nachweis ist als Anlage für Audits nach EU AI Act Art. 50, DORA und NIS2 einsetzbar.
FAILED bedeutet: Der Scan wurde vollständig durchgeführt, mindestens ein Schwellwert wurde aber nicht erreicht (CES < 75 oder Cluster-F-Score < 40). Der detaillierte Report zeigt, welche Cluster betroffen sind und welche Maßnahmen zur Verbesserung führen.
INCOMPLETE bedeutet: Der Scan konnte die Domain während der Prüfung nicht ausreichend erreichen — meist eine Firewall- oder Bot-Schutz-Blockade — und liefert deshalb kein belastbares Ergebnis. Das ist keine Aussage über die Compliance der Domain, sondern über ihre Erreichbarkeit zum Scanzeitpunkt. Es wird bewusst kein CES-Score ausgewiesen; ein erneuter Scan wird empfohlen. Eingeführt am 01.08.2026 — Scans vor diesem Datum kennen nur CERTIFIED/FAILED und wurden nicht rückwirkend umklassifiziert.
Wichtig: CERTIFIED ist kein behördlich anerkanntes Zertifikat, sondern ein technischer Infrastruktur-Nachweis. Weitere Informationen unter Kein Zertifikat — was ist der Unterschied?
Sovereign Vault
Der Sovereign Vault ist der persistente, kryptografisch gesicherte Nachweis-Speicher für ein SOVP-Scan-Ergebnis. Jeder Kauf eines Full Scans erzeugt einen eindeutigen Vault-Eintrag mit einer stabilen URL.
Eigenschaften: DNS-verankert (der Hash ist im DNS des geprüften Systems hinterlegt), kryptografisch signiert (nachträgliche Manipulation erkennbar), direkt teilbar mit Auditoren oder Auftraggebern.
Vault-Verfügbarkeit: Basic-Scans haben 90 Tage Vault-Zugang (danach lokale Archivierung erforderlich), Pro-Scans sind permanent via Token abrufbar — empfohlen für Audit-Dossiers und langfristige Compliance-Nachweise.
Kundenportal
Bei Annual Starter, Annual Subscription und Enterprise wird mit Vertragsabschluss automatisch Zugang zum Kundenportal freigeschaltet. Ein separates Konto anlegen ist nicht nötig: Auf der Portal-Login-Seite genügt die Kauf-E-Mail-Adresse, ein Login-Link wird per E-Mail zugestellt (kein Passwort erforderlich).
Basic-, Pro- und Bulk-Käufe sind Einmalkäufe ohne automatischen Portal-Zugang — der Report wird direkt per E-Mail über den Scan-Zugangscode (Token-Link, siehe Support) ausgeliefert, der ausschließlich dem einmaligen Auslösen eines Scans dient. Kundenportal-Zugang ist für diese Pakete auf Anfrage über den Support möglich.
Im Portal verwalten Sie Ihre gescannten Domains, rufen frühere Reports ab und sehen den jeweiligen Sovereign-Vault-Status.
CAD Conformity Assessment Dossier
Das Conformity Assessment Dossier ist das technische Audit-Dossier, das Betreiber von Hochrisiko-KI-Systemen nach EU AI Act Art. 43 führen müssen. Es dokumentiert, wie das System die Anforderungen der Art. 8–15 erfüllt.
Ein CERTavia Full Scan Pro liefert den Infrastruktur-Nachweis für den CAD-relevanten Teil aus Art. 50 (Transparenz und maschinenlesbare Kennzeichnung). Der Sovereign Vault dient als dauerhafter, verifizierbarer Anhang zum Dossier.
CAD-Mapping: Welche Cluster welchen Artikeln entsprechen →
Annex III EU AI Act
Anhang III des EU AI Act listet die Kategorien von Hochrisiko-KI-Systemen nach Sektor und Anwendungsfall. Systeme, die unter Annex III fallen, unterliegen den verschärften Anforderungen der Art. 8–15, darunter Robustheitsanforderungen, Transparenzpflichten und Cybersicherheitsmaßnahmen.
Betroffene Sektoren umfassen unter anderem: kritische Infrastruktur, Bildung, Beschäftigung, grundlegende Dienstleistungen (Kredit, Versicherung), Strafverfolgung, Biometrie und Grenzkontrolle.
Ob Ihr System unter Annex III fällt, können Sie mit dem kostenlosen Schnelltest prüfen: Zum Annex-III-Schnelltest →
Art. 50 EU AI Act Transparenzpflichten je Absatz
Artikel 50 bündelt vier separate Transparenzpflichten. Sie treffen je nach Absatz entweder Anbieter (wer ein KI-System entwickelt oder unter eigener Marke anbietet, auch White-Label) oder Betreiber (wer ein fremdes KI-System einsetzt) — nie automatisch beide zugleich:
- Abs. 1 — Chatbot-Kennzeichnung (Anbieter): Nutzer müssen erkennen, dass sie mit einem KI-System interagieren, es sei denn das ist aus dem Kontext offensichtlich.
- Abs. 2 — Maschinenlesbare Kennzeichnung synthetischer Inhalte (Anbieter): Ausgaben von Systemen, die Bild-, Audio-, Video- oder Textinhalte erzeugen, müssen maschinenlesbar als KI-generiert markiert sein.
- Abs. 3 — Emotionserkennung und biometrische Kategorisierung (Betreiber): Betroffene Personen müssen über den Einsatz solcher Systeme informiert werden. Betrifft keine Deepfakes.
- Abs. 4 — Deepfakes und KI-generierter Text zu Themen von öffentlichem Interesse (Betreiber): Beide Fälle stehen im selben Absatz. Offenlegungspflicht entfällt bei menschlich-redaktionell verantwortetem Text.
Häufigster Fehler: Deepfakes werden fälschlich Abs. 3 zugeordnet (das ist Emotionserkennung/biometrische Kategorisierung) statt Abs. 4, oder Abs. 4 wird als "Anbieter und Betreiber" statt korrekt als reine Betreiberpflicht beschrieben. Diese Zuordnung ist die kanonische Quelle für certavia.org und die sovp-validator-Mailer-Vorlagen — Korrekturen hier einpflegen, nicht an den einzelnen Verwendungsstellen.
QUAIDAL
QUAIDAL steht für Quality criteria for AI Data Lifecycle — ein Qualitätsrahmen des BSI (Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik) für KI-Trainingsdaten.
Im Kontext des EU AI Act ist QUAIDAL relevant für Betreiber, die die Qualität ihrer Trainingsdaten als Teil der Konformitätsbewertung dokumentieren müssen. CERTavia berücksichtigt QUAIDAL-relevante Parameter in der SOVP-Prüfung.
Hochrisiko-KI-System
Ein KI-System gilt nach EU AI Act als Hochrisiko-System, wenn es entweder in Annex III gelistet ist oder als Sicherheitskomponente in einem Produkt eingebettet ist, das unter bestehende EU-Produktsicherheitsrichtlinien fällt (z. B. Medizinprodukte, Fahrzeuge).
Betreiber von Hochrisiko-KI-Systemen sind zur Konformitätsbewertung verpflichtet. Art. 50 verlangt dabei allgemeine Transparenz- und Kennzeichnungspflichten für KI-Systeme — CERTavia liefert dazu den maschinenlesbaren, kryptografisch signierten Infrastruktur-Nachweis als Beleg für das Conformity Assessment Dossier.
Technischer Nachweis vs. offizielle Zertifizierung
CERTavia stellt keinen behördlich anerkannten Zertifikat aus. Das Ergebnis eines SOVP-Scans ist ein technischer Infrastruktur-Nachweis — vergleichbar mit einem Penetrationstest-Bericht oder einem Sicherheitsaudit, aber vollständig automatisiert, deterministisch und maschinenlesbar.
Offizielle Zertifizierungen (z. B. durch benannte Stellen nach Art. 43 EU AI Act) bauen auf solchen technischen Nachweisen auf. CERTavia liefert den Infrastruktur-Teil dieses Nachweispakets — kryptografisch gesichert, direkt verwendbar als Anlage zum CAD.
Der Unterschied zu einem Pentest: Ein Pentest prüft Angriffsflächen aktiv und manuell. SOVP prüft deterministisch und passiv die Infrastrukturkonfiguration gegen einen definierten Anforderungskatalog — reproduzierbar, automatisierbar, auditierbar.
Vendor-Scan
Ein Vendor-Scan ist ein SOVP-basierter Infrastruktur-Nachweis für externe Dienstleister und Drittanbieter. Er wird vom auftraggebenden Unternehmen initiiert, nicht vom Dienstleister selbst.
Relevant für: DORA Art. 28 (Risikobewertung von IKT-Drittdienstleistern), NIS2-Lieferkettenpflichten, EU AI Act Anforderungen an Anbieter eingebetteter Systeme.
Hinweis zur Einwilligung: Eine technische Infrastrukturprüfung einer öffentlich erreichbaren Domain erfordert keine Zustimmung des Domaininhaber, da nur öffentlich sichtbare Konfigurationsparameter ausgewertet werden. Rechtliche Verantwortung liegt beim Auftraggeber des Scans.
Vendor-Scan anfragen →
Full Scan Basic vs. Pro
Beide Tiers führen denselben vollständigen SOVP-Scan durch (80+ Parameter, 6 Cluster, kryptografisch signiertes PDF-Ergebnis).
Der Unterschied liegt ausschließlich in der Vault-Laufzeit:
- Basic: Sovereign Vault 90 Tage verfügbar (danach lokale Archivierung erforderlich) — geeignet für kurzfristige Nachweise und einmalige Audits.
- Pro: Sovereign Vault permanent abrufbar via Token — empfohlen für Audit-Dossiers (CAD), langfristige Compliance-Nachweise und Archivierungspflichten.
Tiers und Preise im Vergleich →